Parteien mit Geschichte: PNL und PSD IV
Zu Beginn des neuen Jahrtausends hatten es die Nationalliberalen Rumäniens geschafft, sich zu konsolidieren. Ein Jahr zuvor war die Partidul Național Liberal von der Liberalen Internationalen (englisch: Liberal International), dem Weltverband der liberalen Parteien, aufgenommen worden. Die internationale Anerkennung führte jedoch nicht dazu, dass die Wahlen im Jahr 2000 für die PNL erfolgreich verliefen.
Im November 2000 wählten die Rumäninnen und Rumänen ein neues Parlament, im Dezember einen neuen Präsidenten. Zuvor löste sich die Partidul Național Liberal aus dem Bündnis mit der rumänischen Christdemokratischen Partei Convenția Democrată Română, um alleine anzutreten. Ein Fehler, wie sich herausstellte. Die PNL erhielt nur annähernd 7 Prozent, ihr Präsidentschaftskandidat Theodor Stolojan lediglich 11,8 Prozent der Stimmen. Die Partei landete in der Opposition. Durch das Abgleiten der Christdemokraten in die Bedeutungslosigkeit erlangten die Nationalliberalen den Status der einzigen liberalen Mitte-Rechts-Partei Rumäniens, die auf eine lange Historie zurückblicken konnte. Das änderte sich fünf Jahre später mit der Neuorientierung der PD, der Demokratischen Partei (rumänisch: Partidul Democrat). Als ihr erster Vorsitzender wird Petre Roman zitiert: Ich bin ein Sozialist, aber auch ein Liberaler. 2004 gingen die Nationalliberalen ein Bündnis mit den neuen Liberalen der PD ein: Die Allianz für Gerechtigkeit und Wahrheit (rumänisch: Alianța Dreptate și Adevăr, D.A.) trat zu den Wahlen an. Diesmal mit Erfolg. Zwar wurde die Allianz im Parlament zunächst nur zweitstärkste Kraft, stellte jedoch mit ihrem Kandidaten Traian Băsescu (PD) den Staatspräsidenten. Durch einen Seitenwechsel in den Bündniskonstellationen erlangte die Allianz doch noch eine Mehrheit, der Nationalliberale Călin Popescu-Tăriceanu wurde Premierminister. In den folgenden Jahren gab es immer wieder Spekulationen oder reale Diskussionen über mögliche Fusionierungen der Partidul Național Liberal mit anderen Parteien, unter anderem auch mit der Partidul Democrat. Dies führte gemeinsam mit dem angedachten Austritt der Partei aus den internationalen liberalen Organisationen zum Ausschluss der beiden ehemaligen Parteivorsitzenden Valeriu Stoica und Theodor Stolojan aus der PNL wegen parteischädigenden Verhaltens. Die Ausgeschlossenen gründeten Ende 2006 zusammen mit anderen Ex-Parteimitgliedern die Liberal-Demokratische Partei (rumänisch: Partidul Liberal Democrat, PLD). 2007 kam es letztendlich zur Auflösung der Allianz. PD und PLD gingen in die Opposition und fusionierten Ende des Jahres schließlich zur Partidul Democrat Liberal, PD-L. Die verbliebenen Nationalliberalen der PNL führten infolgedessen eine Minderheitenregierung mit der Ungarnpartei UDMR (rumänisch: Uniunea Democrată Maghiară din România, ungarisch: Romániai Magyar Demokrata Szövetség). Toleriert wurde das wiederum von den Sozialdemokraten der PSD (rumänisch: Partidul Social Democrat). Für die nächsten Parlamentswahlen im Jahr 2008 hofften die Nationalliberalen, über Bündnispartner erneut eine Regierung bilden zu können. Nachdem aber die Partidul Democrat Liberal, PD-L mit der PSD eine Regierungskoalition bildete, gingen die Nationalliberalen in die Opposition. Es war ihnen aber gelungen, die Zahl ihrer Abgeordneten im Parlament zu erhöhen. Parteivorsitzender der Nationalliberalen wurde Crin Antonescu, der bei den Präsidentschaftswahlen 2009 den dritten Platz belegte.